Ruhrstadt-Imker e.V.- Bochum/Ruhrgebiet
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RI-Aktuell 28.Juni 2017

Ruhrstadt-Imker-Aktuell

Aktuelle Tipps zur Bienenpflege

Die nächsten Tage bleibt es regnerisch

In Kürze:

  • In 2017 gab es vielerorts -nicht überall- wenig oder auch gar keinen Frühjahrshonig.
  • Dafür war die Sommertracht besser. Doch auch sie ist regional und lokal sehr unterschiedlich ausgefallen.
  • In den nächsten Tagen soll es regnerisch bleiben. Diese Gelegenheit kann für die Honigernte genutzt werden.
  • Die Schwarmzeit ist zu Ende.
  • Die Varroazeit steht vor der Tür.

Während der seit Mai Woche für Woche durchgeführten Schwarmkontrollen hat es im Juni fast immer und überall aus den Waben „geschüttet„. Auch die im Abstand von drei Wochen geschnittene Drohnenbrut war in der Regel verhonigt und die Baurahmen wurden rasch wieder ausgebaut. Schwärmen wollten nur wenige Völker. An „Rhein und Ruhr„ wurde die Sommertracht überwiegend von der Linden- und Brombeerblüte geprägt. Im Bergland hat vielerorts die Fichte gehonigt. Da und da honigt sie noch. Viele Altvölker haben im Juni eine Zarge mit Honig gut gefüllt, da und dort sind bzw. waren es auch deutlich mehr als eine Zarge. Wie jedes Jahr gibt es Unterschiede zwischen den Ständen und an den Ständen zwischen den Völkern. Die stärkeren Völker haben mehr eingetragen. Auch für den Sommerhonig gilt: Nur reifen Honig ernten. Dieses Ziel ist leicht(er) zu verwirklichen, wenn man (1.) erst nach Trachtende und (2.) unmittelbar nach einem Regentag zu Besen oder Bienenflucht greift und die Honigernte (3.) bei trockenem Wetter an einem frühen Vormittag vornimmt. Wenn am Vortag oder an den Vortagen wegen Regen kein Nektar eingetragen worden ist, kann auch der noch nicht verdeckelte Honig geerntet werden. Er ist dann häufig trockener als der verdeckelte Honig. Dennoch sollte seine Reife (4.) mit der Spritzprobe überprüft werden. Nach Einlegen der Bienenflucht am frühen Vormittag kann der Honigraum am Abend des nächsten Tages nahezu bienenfrei abgehoben werden. Die Bienenflucht funktioniert nur, wenn mit Absperrgitter geimkert wird und im Honigraum keine Brut ist.

Räuberei vermeiden

Mit dem Schröpfen von „Brutbrettern“ (mit viel verdeckelter Brut) und ihren ansitzenden Bienen (und ohne Königin!) kann dem Schwarmtrieb begegnet werden. 1 Brutbrett + 1 Futterwabe + 1 Mittelwand = 1 Brutableger. Auf dem Brutbrett sollte auch etwas jüngste Brut zum Nachschaffen sein. Bei schwachem Bienenbesatz des Brutbrettes werden die Bienen von einer zweiten (Brut-)Wabe (ohne Königin!) dazu geschüttelt. An die Stelle des entnommenen Brutbrettes kommt eine Mittelwand. Der Brutableger wird außerhalb des Flugkreises mit kleinem Flugloch aufgestellt.
Wer viele Völker hat (mehr als 6) bildet einen Sammelbrutableger und startet mit ihm die „Völkervermehrung in vier Schritten“ mit integrierter Königinnenaufzucht.

Bei der Honigernte werden häufig Honigwaben beschädigt. Das kann wie das Ersetzen der entnommenen vollen Honigwaben durch leere geschleuderte Waben Suchflüge und in Folge Räuberei auslösen. Besonders gefährdet sind die noch schwachen Jungvölker. Deren Fluglöcher sind weiterhin eng zu halten. Und: Am besten immer nur abends Anlass für Suchflüge geben.

Was vor der Varroabehandlung zu bedenken ist

Die im Mai/Juni an den Bienenständen gebildeten Sammelbrutableger wurden nicht nur für die „Völkervermehrung in 4 Schritten mit integrierter Königinnenaufzucht genutzt„, sondern auch, um den Varroabefall der geschröpften Wirtschaftsvölker abzuschätzen. Bei der Behandlung der brutfreien Pflegevölker bzw. Begattungsvölkchen fielen pro Sammelbrutableger zwischen <100 und >800 Milben. Nach der Sommerhonigernte wird dieses Ergebnis durch eine Gemülldiagnose bei den Wirtschaftsvölkern überprüft und danach festgelegt, an welchen Ständen welche Völker nach dem Konzept „Teilen und behandeln„ weiter geführt werden. Die Teilung dieser Völker steht nach der Sommerhonigernte bzw. nach Mitte Juli an. Die anderen Völker werden nach der „Spätsommerpflege in 4 Schritten„ (1. Einengen, 2. Behandeln, 3. Auffüttern, 4. Behandeln) auf die Überwinterung vorbereitet. Mit diesem Konzept wird erst nach Mitte August begonnen. Diese Terminierung richtet sich nach der Volksentwicklung. Ab Ende Juli schrumpfen die Brutnester der Altvölker. In Folge ist in der Regel die untere Brutraumzarge nach Mitte August brutfrei. Dann (erst) werden die Völker durch Entfernen der unteren Brutraumzarge eingeengt. Die obere Brutraumzarge rückt nach unten. Der Honigraum wird zum oberen Brutraum und zur Einlagerung des Winterfutters genutzt (und meist erst im Frühjahr bebrütet). Nach dem Einengen werden die Völker bei sommerlichen Temperaturen einmal mit Ameisensäure behandelt. Diese Behandlung dauert in der Regel drei Tage. Danach werden die Völker aufgefüttert. Die Auffütterung ist nach 1-2 Wochen beendet. Ihr folgt im September eine zweite Ameisensäurebehandlung.

Die Jungvölker werden nur einmal, im September nach ihrer Auffütterung, mit Ameisensäure behandelt. Eine Behandlung vorher ist nicht notwendig, weil sie – im Mai als Brutableger gebildet - im Juni im brutfreien Zustand mit Oxalsäure gegen die Varroamilbe behandelt worden waren. Außerdem verbietet sich eine frühe(re) Ameisensäurebehandlung der Jungvölker, weil diese im Juli/August noch relativ viel Brut und wenig Bienen haben. Eine Behandlung mit Ameisensäure im Sommer würde zu gewaltigen Brutschäden führen.

Jeder Behandlung wird eine Gemülldiagnose vorgeschaltet und der natürliche Milbenfall ermittelt. Auch der durch Behandlung ausgelöste Milbenfall wird erfasst. Dann weiß man was man hat und hatte. Ein Beispiel aus dem Vorjahr zeigt die unten stehende Abbildung. Bei den sechs Wirtschaftsvölkern des Standes wurde nach der Sommerhonigernte eine Gemülldiagnose durchgeführt. Sie machte deutlich, dass das Randvolk 6 mit 52 Milben/Tag deutlich stärker befallen war als die anderen 5 Völker des Standes. Am 29. Juli wurden die Völker geteilt, die Fluglinge wurden am 31. Juli behandelt, die Behandlung der dann brutfreien „Brutvölker„ folgte am 19. August. Sie verloren durch die Behandlung deutlich mehr Milben als ihre „Fluglinge„ drei Wochen zuvor. Das war nicht anders zu erwarten; denn die meisten Milben halten sich in der Brut und auf den Ammenbienen auf und verbleiben bei der Volksteilung im „Brutvolk„. Im Oktober wurden die Völker nicht wiedervereinigt. Von den 12 eingewinterten Teilvölkern verstarb der Flugling des Volkes 3 im Winter, die anderen 11 Teilvölker wurden in 2017 als Wirtschaftsvölker geführt. Die erste Gemülldiagnose steht Mitte Juli an. Das Ergebnis wird dann mit dem Milbenbefall des Vorjahres, aber auch mit der Honigleistung in 2017 verglichen.


Dr. Gerhard Liebig, Bochum, immelieb@t-online.de