Ruhrstadt-Imker e.V.- Bochum/Ruhrgebiet
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RI-Aktuell 16. Januar 2017

Ruhrstadt-Imker-Aktuell

Aktuelle Tipps zur Bienenpflege

Ruhe am Bienenstand – Unruhe im Internet

Witterung und Wetter im Winter

Den milden Wintern 2013/14, 2014/15 und 2015/16 scheint ein kühler Winter 2016/17 zu folgen. Er ist zwar erst zur Hälfte herum und es gab keine „Weiße Weihnacht“, doch wird –wenn die Wetterprognose richtig liegt– wie der Dezember 2016 auch der Januar 2017 kälter als ein Jahr zuvor. In der zweiten Monatshälfte soll es nachts immer Frost geben, auch „hier im Westen“.

Ruhe am Bienenstand

Um die Bienenvölker brauchen wir uns deshalb keine Sorgen zu machen; es sei denn, wir haben sie nicht richtig „eingewintert“. Fehler bei der Spätsommer- und Herbstpflege lassen sich nicht korrigieren. Egal ob man ein schlechtes Gewissen oder kein schlechtes Gewissen hat, angesagt ist: „abwarten bis zum ersten Reinigungsflug“. Es macht wenig Sinn, vorher immer wieder zu gucken, ob „sie noch da sind.“ Solche Kontrollen sind unnötig und stören nur die Winterruhe von Bienen und Imker.
Am ehesten ist eine Gemülldiagnose zu vertreten. Sie liefert Informationen über Sitz und Stärke des Volkes. Allerdings ist sie nur aussagekräftig, wenn sie korrekt durchgeführt wird. So ist darauf zu achten, dass das in den besetzten Wabengassen anfallende Gemüll tatsächlich in die Windel fällt und nicht auf Bienentotenfall, der den Gitterboden abdeckt und den Durchfall des Gemülls verhindert. Wenn vor dem Einschieben der Windel Bienentotenfall zu entfernen ist, kann diese Maßnahme für eine weitere Untersuchung genutzt werden, die hilft, den Gesundheitszustand des Volkes zu beurteilen.
Zur Standkontrolle rücke ich mit einem sauberen Gitterboden (plus Mäusegitter) und so vielen sauberen Windeln und verschließbaren Gläsern an wie Völker am Stand stehen. Vor Ort setze ich das erste Volk zur Seite und den sauberen Boden mit eingeschobener Windel auf seinen Platz. Dann löse ich das Volk mit einem Stockmeisel von seinem Gitterboden, hebe es ab und setze es auf den neuen sauberen Gitterboden. Beim Umsetzen achte ich darauf, dass kein „Erdbeben“ ausgelöst und die eventuell unten hängende Bienentraube abgestreift wird (Bild 1).

Bild 1

Bild 1. Von wegen „Bienen mögen es (nur) warm“! Blick auf eine bei Frost unten im Gitterboden hängende Bienentraube. Das kommt im Winter besonders bei starken und gut mit Futter versorgten Völkern vor. Ihre Traube sitzt vorn und unten. Vgl. auch mit Bild 2.

Der Bienentotenfall im alten Gitterboden wird mengenmäßig erfasst und entsorgt. Er kann auch Volk für Volk in den mitgebrachten Gläsern gesammelt und später mit „Seifenwasser“ ausgewaschen werden. Zuhause in der Badewanne lassen sich mit Doppelsieb und Handbrause die toten Milben von den toten Bienen trennen. Die „Milbenernte“ wird mit dem durch die Restentmilbung ausgelösten Milbenfall verglichen, sofern man diesen erfasst hat.
Für mich ist das Milbenzählen wichtiger Bestandteil der „Varroakontrolle“. Wer beobachtet weiß Bescheid und ist vor Überraschungen geschützt. Und die Varroamilbe „überrascht“ jedes Jahr, besonders die Imker, die nicht zählen.
Das Milbenzählen gehört auch nach wie vor zu meinem Bemühen, die Varroabehandlung im Spätsommer und Herbst zu optimieren. Dabei erfasse ich vor jeder Behandlung den natürlichen Milbenfall und anschließend den durch die Behandlung ausgelösten Milbenfall. Sobald sich nach einer Behandlung wieder natürlicher Milbenfall eingestellt hat wird erneut gezählt und, wenn es notwendig erscheint, noch einmal behandelt und wieder gezählt.
Der durchschnittliche Milbenfall nach der letzten im November/Dezember 2016 durchgeführten Behandlung mit Oxalsäure lag bei 106 Völkern, die an 7 Standorten unter genauer Beobachtung stehen, bei 95 Milben (Minimum: 0, Maximum: 841). Bei 80 Völkern fielen weniger als 100 Milben. Vier Wochen nach der Behandlung wird noch einmal gezählt.
Die Windeln dürfen und sollten im Winter länger einliegen als im Sommer. Nach 1-2 Wochen werden sie gezogen, Lage, Anzahl, Länge und Dichte der Gemüllstreifen erfasst, die Anzahl der gefallenen Varroamilben und Besonderheiten wie Kotflecken, „Windel feucht“ oder „Windel nass“ notiert. Am besten schießt man von jeder Windel ein Foto (Bild 2).

Bild 2

Bild 2. Das zum Jahreswechsel 2016/17 gesammelte 14-Tage-Gemüll zweier Altvölker. Die rechte Windel zeugt von einem Volk, das vorne über dem Flugloch in der Breite und „ruhig“ in 6 Wabengassen sitzt. Hinten links ist etwas Kondenswasser auf die Windel getropft.
Die linke Windel verrät, dass ihr Volk eher längs und „unruhig“ in 3 Wabengassen sitzt. Hinten wurden in zwei Wabengassen Futterzellen geöffnet (deshalb mehr Gemüll) und Futter nach vorn umgetragen. Die dunkelbraunen Kottropfen lassen vermuten, dass einige Bienen „Durchfall“ haben und das Volk vorn Brut pflegt.
Wie wird es auswintern? Abwarten….

Unruhe im Internet

Im Herbst machte eine neue Erfindung die Runde: der „Varroa-Killer-Sound“. Der Erfinder hatte das Gerät mit einem Flyer auf dem alljährlich im Oktober in Donaueschingen stattfindenden Berufsimkertag vorgestellt und anschließend den Flyer zusammen mit einem Interview, das in einer Fachzeitung erscheinen sollte, dort aber nicht erschien, in einem Rundmail an Imkervereine verschickt. So landeten Flyer und Interview auch bei mir. Mehrmals. Und immer mit der Bitte um Stellungnahme verbunden.
Die Erfindung ist nicht neu. Die Varroabekämpfung mit Ultraschall wurde vor etwa 20 Jahren mit dem „Schallomat“ versucht, der sich im Test als unwirksam erwies. Die auf der Website des Erfinders beschriebene Behandlung lässt Zweifel aufkommen, ob der „Varroa-Killer-Sound“ tatsächlich so gut wirkt, dass zwei Behandlungen, die erste im Frühjahr, die zweite im Juli/August ausreichen. Das wurde auch für die Behandlung mit der Bienensauna versprochen, um die es im Internet merkwürdig still geworden ist. Die letzte Eintragung auf der Website der Bienensauna im Blog unter Aktuelles wurde im Februar 2016 gemacht. Es gibt keine Behandlungsergebnisse aus dem im August 2015 angelaufenen Feldversuch. Nach wie vor findet man nur die Beschreibung des Milbenfalls zweier Völker des Herstellers, die im September 2015 in Schweden mit der Bienensauna behandelt worden waren. Nimmt der Hersteller der Bienensauna selbst mit seinen Völkern nicht am Feldversuch teil? Zählt er keine Milben?
Der Erfinder des „Varroa-Killer-Sound“ versucht seit Dezember 2016 mit einem Crowdfunding den Verkauf seines Gerätes weltweit anzukurbeln. Auf der Website https://www.indiegogo.com/projects/varroa-killer-sound#/ wird die Erfindung als „Die Revolution in der Varroamilben-Bekämpfung mit Ultraschall!“ vorgestellt und auch Ablauf und Ergebnis der Behandlung eines Volkes mit Video und Graphiken beschrieben und fortlaufend aktualisiert.
Mit der Ultraschall-Behandlung eines relativ schwachen Volkes wurde am 22. Dezember 2016 begonnen. Das Volk sitzt in einer Dadantbeute in 3 Wabengassen, hinten und oben. Vor Behandlungsbeginn lag der natürliche Milbenfall, über 7 Tage ermittelt, bei 0,3 Milben/Tag. Mit der Behandlung stieg der Milbenfall sofort an, anfangs fallen täglich etwa 3 Milben, später sind es 4 oder 5 Milben. Am 5. Januar 2017 wird das Maximum von 8 Milben gezählt. Nach dem 9.Januar ist es täglich nur noch eine oder keine Milbe.
Acht Tage nach Behandlungsbeginn wurde ein zweites Volk als Kontrolle miteinbezogen, das seit dem 31. Dezember täglich nur eine oder keine Milbe verlor.
Am 16. Januar wurde auf der Website angekündigt: „Tomorrow we will control our result with OS.“
Man kann gespannt sein, wie der Milbenfall der beiden Völker nach der OS-Behandlung verläuft und wie sich das Ergebnis auf das Crowdfunding auswirkt. Ob auch ein Video über die OS-Behandlung gezeigt wird, die auch Auskunft über den Zustand der beiden Völker geben könnte?

Dr. Gerhard Liebig, Bochum, immelieb@t-online.de