Ruhrstadt-Imker e.V.- Bochum/Ruhrgebiet
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RI-Aktuell 01. Februar 2017

Ruhrstadt-Imker-Aktuell

Aktuelle Tipps zur Bienenpflege

Der Januar war kalt – der Februar soll es auch werden

Der Januar 2017 war kalt. Laut Deutscher Wetterdienst (www.dwd.de) lag die Durchschnittstemperatur bei -2,3° C. Im Süden und Osten Deutschlands war es kälter als im Norden und Westen. „Hier im Westen“ beginnt der Februar etwas milder, doch dann soll es bereits am kommenden Wochenende hier wie anderswo in Deutschland wieder frostig-kalt werden.

Störungen am Bienenstand

Der Schneefall im Januar sorgte weitverbreitet für eine geschlossene Schneedecke. Da und dort war das Anlass für Spechte, an Bienenständen nach Nahrung zu suchen. Bei mir „hier im Westen“ war das an 2 von bisher 16 kontrollierten Bienenständen der Fall; die anderen 11 Stände werden erst im März wieder aufgesucht.
An den beiden betroffenen Ständen hatten nur einzelne Völker „Besuch vom Specht“ und die geschlagenen Löcher waren noch klein (Bilder 1 und 2).

Neues Video vom Bienenstand am Schrebergarten: Sie leben noch... .

Bild 1

Bild 1. Bienenvolk mit leichtem „Spechtschaden“. Wie das Gemüll auf der gezogenen Windel zeigt, hat der Specht mit hinten die falsche Stelle gewählt. Das war auch bei den anderen Völkern, die an diesem Stand vom Specht heimgesucht wurden, der Fall.

Bild 2

Bild 2. Das Loch ist größer, aber auch an der falschen Stelle geschlagen. Solche Löcher werden mit einem Gewebeband zugeklebt, bevor sich die Bienen auf das neue Flugloch einfliegen.
Wenn der Specht regelmäßig kommt und sich diese Besuche auch in milden Wintern wiederholen, sollten die Völker vor Winterbeginn mit einem Vogelnetz überspannt werden.

Varroa-Killer-Sound-Test im Internet beendet

Das Gerät wurde in Berlin an einem in drei Wabengassen sitzenden Volk getestet. Die Eingriffe wurden mit fünf Videos festgehalten: www.indiegogo.com/projects/varroa-killer-sound#/.
Die Ultraschallbehandlung dauerte vom 22. Dezember bis zum 18. Januar. In diesem 27-Tage-Zeitraum fielen 73 Milben in Windel. Zwischen dem 4. und dem 19. Behandlungstag waren es täglich meistens 3 oder 4 Milben, an vier Tagen waren es jeweils 5 Milben. Das Maximum von 8 Milben trat am 15. Tag auf.
Der Erfolg der „Sound-Behandlung“ wurde mit einer Träufelbehandlung überprüft. Sie wurde am 18. Januar mit Oxalsäure durchgeführt, und zwar unmittelbar nach dem Ende der Ultraschallbehandlung.
Auch in Berlin war es im Januar durchgehend frostig-kalt. Es lag Eis und Schnee auch auf der Beute, als diese geöffnet wurde. Das dauerbeschallte Volk saß nicht in der Wintertraube. Es verhielt sich unruhig, auch während der Träufelbehandlung. Bei dieser wurden vier Wabengassen je dreimal mit einer kleinen Tropfflasche Tröpfchen träufelnd abgefahren. Leider wurde keine Spritze verwendet, so dass im Video nicht deutlich zu erkennen ist, wie viel Lösung verbraucht wurde. Die benutzte Flasche war vor der Träufelbehandlung etwa zur Hälfte mit Lösung gefüllt. Nach der Behandlung war der Flüssigkeitsspiegel nur wenig gesunken. Dennoch meint(e) der Tester im Video, die Bienen hätten zu viel Oxalsäure abbekommen.
Drei Tage nach dieser Nachbehandlung wurden 8 Milben in der Windel gezählt, drei weitere Tage später noch einmal 2 Milben. Daraus lässt sich ein Wirkungsgrad der Ultraschallbehandlung von knapp 90% errechnen.
Vor der Ultraschallbehandlung wurde ein natürlicher Milbenfall von 2 Milben in 7 Tagen festgestellt. Gemessen daran könnten einige Zehn Milben beide Behandlungen überlebt haben.
Der „Ein-Volk-Test“ lässt viele Fragen offen, unter anderem auch die, wie die Ultraschallbehandlung bei stärkeren Völkern wirkt, wenn in der Beute mehr Wabengassen besetzt sind als das eingestellte Gerät abdeckt.
Während der Crowdfunding-Aktion wurden knapp 100 Geräte bestellt, die sehr wahrscheinlich von den Käufern unmittelbar nach Lieferung eingesetzt werden. Der Hersteller selbst bezeichnet den Zeitraum „Februar bis Mitte April“ als ideal. Demnach sind erste Erfahrungsberichte ab März zu erwarten.
Die Ultraschallbehandlung steht auch in meinem Versuchsprogramm 2017. Es ist geplant zu untersuchen, wie sich die Ultraschallbehandlung eines Volkes auf den Varroabefall der in einem Baurahmen aufgezogenen Drohnenbrut auswirkt und welche Folgen die Ultraschallbehandlung von (Sammel-)Brutablegern hat, wenn diese unmittelbar nach dem Erstellen bis zum Auslaufen der Brut erfolgt. Der Wirkungsgrad lässt sich sehr leicht durch eine Sprühbehandlung mit Oxalsäure feststellen.
Die Ergebnisse werden noch im Sommer vorliegen.

Neues von der Bienensauna

Bis dahin wird wohl auf der Website der Bienensauna zu erfahren sein, welche Ergebnisse der seit August 2015 durchgeführte Feldversuch gebracht hat. Laut dem Newsletter der Bienensauna vom 31.1.2017 sind „inzwischen rund 450 Geräte bei den ImkerInnen im Einsatz“! Dann sollten doch von weit über 1000 Völkern Daten über den Milbenfall nach Saunabehandlung vorliegen. Wie war er 2015? Und wie war er 2016 bei den Völkern, die in beiden Jahren ausschließlich mit der Bienensauna behandelt wurden? Wie war die Überwinterungsquote der saunierten Völker in 2015/16? Wie ist sie in 2016/17?
In jüngsten Bienensauna-Newsletter heißt es unter anderem: „Nichts ist so wichtig, wie der Erfahrungsaustausch. Deswegen werden wir ab Mitte Februar wieder regelmäßig aktuelle Beiträge rund um die Hyperthermie auf unserem Blog posten.“
Ich bin gespannt, was es dort zu lesen gibt.

Dr. Gerhard Liebig, Bochum, immelieb@t-online.de