Ruhrstadt-Imker e.V.- Bochum/Ruhrgebiet
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RI-Aktuell 22. Juli 2016

Ruhrstadt-Imker-Aktuell

Aktuelle Tipps zur Bienenpflege

In Kürze

  • Die Lindentracht ist vorbei. Es „läppert“ ein bisschen.
  • Es soll regnerisch werden. Nach und in „Regenpausen“ kann der Sommerhonig geerntet werden.
  • Bei der Honigernte und bei der Fütterung von Jungvölkern keine Räuberei auslösen!
  • Mit einer Gemülldiagnose den Varroabefall von Alt- und Jungvölkern überprüfen.
  • Altvölker eventuell „teilen und behandeln“.

In 2016 wurde die Sommertracht sehr häufig durch Regen unterbrochen. Es gibt deshalb weniger Honig als erwartet und wie immer Unterschiede zwischen den Standorten und zwischen den Völkern. An den besseren Standorten haben die stärkeren Völker eine Zarge mit Sommerhonig gefüllt, so dass sich der Einsatz der Bienenflucht lohnt. Woanders sind nur ein paar Waben pro Volk zu ernten. Dann genügt für die Honigernte der Griff zum Besen.
Unabhängig davon wieviel Sommerhonig zu ernten ist gilt: Nur reifen Honig ernten. Dieses Ziel ist leicht(er) zu verwirklichen, wenn man (1.) erst nach Trachtende und (2.) unmittelbar nach einem Regentag zu Besen oder Bienenflucht greift und die Honigernte (3.) bei trockenem Wetter an einem frühen Vormittag vornimmt. Wenn am Vortag oder an den Vortagen wegen Regen kein Nektar (oder Honigtau) eingetragen worden ist, kann auch der noch nicht verdeckelte Honig geerntet werden. Dennoch sollte seine Reife (4.) mit der Spritzprobe überprüft werden.
Nach Einlegen der Bienenflucht am frühen Vormittag kann der Honigraum am Abend des nächsten Tages nahezu bienenfrei abgehoben werden. Die Bienenflucht funktioniert nur, wenn mit Absperrgitter geimkert wird und im Honigraum keine Brut ist/war.
Zurzeit herrscht da und dort etwas „Läppertracht“; Springkraut, Beinwell und Riesenbärenklau werden beflogen und einige Zellen sind mit dunklem Honig gefüllt.

Dunkler Honig in Randwabe des Honigraumes am 20. Juli 2016

Räuberei vermeiden

Bei der Honigernte werden häufig Honigwaben beschädigt. Das kann wie das Ersetzen der entnommenen vollen Honigwaben durch leere geschleuderte Waben Suchflüge und in Folge Räuberei auslösen. Besonders gefährdet sind die noch schwachen Jungvölker. Deren Fluglöcher sind weiterhin eng zu halten, auch wenn sie gewachsen sind bzw. noch am Wachsen sind.
Bei den Jungvölkern muss auf die Futterversorgung und auf rechtzeitige Erweiterung (mit Mittelwänden) geachtet werden. Bis Ende August sollte ein Jungvolk 10 Waben haben, auch wenn es „nur“ auf 6 Waben sitzt. Bis es soweit ist wird literweise „von der Seite“, weit weg vom eingeengten Flugloch, gefüttert. Als Futtergefäß dient ein „Tetra Pak“, eine passend gestutzte Plastikflasche oder eine Futtertasche. Schwimm- und Aufstieghilfe nicht vergessen!
Und: Am besten immer nur abends Futter geben.

Varroabefall und -behandlung

Die um Mitte Juli an einer Vielzahl von Wirtschaftsvölkern durchgeführte Gemülldiagnose zeigt, dass der Varroabefall bei der Mehrheit der Völker unter oder bei 1 Milbe/Tag liegt. Stärker befallen sind –wie jedes Jahr- nur wenige Völker. Allerdings wird da und dort von einem höheren natürlichen Milbenfall berichtet, auch von deutlich mehr als 10 Milben/Tag.
Für die Varroabehandlung stehen zwei Konzepte zur Verfügung. Das „Teilen und behandeln“ und die „Spätsommerpflege in vier Schritten“. Beide Konzepte sind ausführlich in den Monatsbetrachtungen von Juli und August 2015 beschrieben.
Mit „Teilen und behandeln“ wird nach der Sommerhonigernte gegen Ende Juli/Anfang August begonnen. Bei diesem Konzept werden die Teilvölker nicht mit Ameisensäure, sondern mit Milchsäure oder Oxalsäure behandelt.
Mit der „Spätsommerpflege in vier Schritten“ (1. Einengen, 2. Behandeln mit Ameisensäure, 3. Auffüttern, 4. Behandeln mit Ameisensäure) wird erst begonnen, wenn die untere Brutraumzarge brutfrei geworden ist. Das ist in der Regel (erst) nach Mitte August der Fall.
Die Jungvölker werden nur einmal, im September nach ihrer „Winter-Auffütterung“, mit Ameisensäure behandelt. Eine Behandlung vorher ist nicht notwendig, weil sie – im Mai als Brutableger gebildet - im Juni im brutfreien Zustand mit Milchsäure oder Oxalsäure gegen die Varroamilbe behandelt worden waren. Außerdem verbietet sich eine frühe(re) Ameisensäurebehandlung der Jungvölker, weil diese im Juli/August noch relativ viel Brut und wenig Bienen haben. Eine Behandlung mit Ameisensäure im Sommer würde zu gewaltigen Brutschäden führen.
Eine „ReInvasion“ von Nachbarständen oder „wilden Bienenvölkern“, die den Behandlungserfolg zunichte macht, gibt es nicht. An Varroose zusammenbrechende Völker werden häufig von Nachbarvölkern beräubert. Die Räuberbienen tragen dann auch Milben ein. Es ist mehrfach belegt, dass nur maximal 5% der Milben, die den Zusammenbruch eines Bienenvolkes ausgelöst haben, in den räubernden Völkern landen und sich dort vermehren. Ihr Eintrag bzw. ihre Vermehrung ist durch Gemülldiagnose zu erkennen, bevor Gefahr im Verzug ist.
Deshalb ist die regelmäßige Gemülldiagnose zur Überwachung des Varroabefalls ein wichtiger Bestandteil der Spätsommer- und Herbstpflege von Jung- und Altvölkern. Wer beobachtet weiß Bescheid und ist vor Überraschungen geschützt.
Windeln einschieben, nach 3 (2-5) Tagen Windeln ziehen und Milben zählen und Milbenzahlen aufschreiben, Windeln putzen und bis zur nächsten Gemülldiagnose unter dem Blechdeckel aufbewahren. Keine Dauereinlage im Boden!
Wenn Gefahr im Verzug ist, schon im Juli deutlich mehr als 10 Milben pro Tag ohne Behandlung fallen, sollte möglichst bald eine Behandlung nach dem Konzept „Teilen und behandeln“ erfolgen. Wer Rat braucht schreibt an immelieb@t-online.de.